Beschleunigtes Prototyping mit KI: Google Nano Banana im Designprozess


Ralf Paulzen16. Januar 2026

Vom Bleistiftscribble auf Serviette oder Bierdeckel (OK - klassisches DIN A4 Blatt geht auch) zum ersten fotorealistischen Entwurf für Präsentationen oder Pitches.

Googles "Nano Banana". Eine Bild KI mit Motiv-Verständnis

Die Einführung von Googles generativem Bildmodell "Nano Banana" markiert eine signifikante Entwicklung für die Kreativbranche. Unabhängig davon, ob der Schwerpunkt auf Adobe-Anwendungen, Modedesign oder der Kampagnenentwicklung liegt, bietet diese Technologie erhebliche Potenziale zur Optimierung bestehender Arbeitsabläufe.

Der zentrale Vorteil liegt in der effizienten Überbrückung der Konzeptionsphase. Der Fokus verschiebt sich hierbei von der finalen Reinzeichnung oder der technischen Produktionsvorbereitung hin zur Geschwindigkeit der Visualisierung und der atmosphärischen Darstellung. Das Tool ermöglicht es, abstrakte Ideen oder grobe Entwürfe innerhalb kürzester Zeit in überzeugende visuelle Konzepte zu übersetzen, was insbesondere in der Kundenkommunikation und Entscheidungsfindung von hohem Wert ist.

Im Folgenden wird ein exemplarischer Workflow skizziert, der das Leistungsvermögen dieser Technologie demonstriert.


Phase 1: Texturierung – Integration von Materialität in Entwürfe

Der Prozess beginnt mit der Digitalisierung eines analogen Konzepts. Ausgangsbasis ist eine rudimentäre Bleistiftskizze einer Bluse, die primär die Silhouette und den Faltenwurf definiert. Ergänzend wurde ein florales Stoffmuster als Bilddatei ausgewählt.

Beide Bilder werden in das Kontextfenster (Chatfenster von Google Gemini) kopiert.

Zeichnung eines KleidungsstückesStoffmuster mit Blumen

In herkömmlichen Workflows würde dieser Schritt eine manuelle Bildbearbeitung erfordern, inklusive Verzerrung, Schattierung und Maskierung.

Prompt:
Erstelle eine Zeichnung des Kleidungsstücks (Bild 1) mit dem Stoffmuster (Bild2). Das Stoffmuster so skaliert das die Blumen etwa 8cm, in der Proportion zum Kleidungsstück wären. Kleidungsstück auf neutralem Hintergrund. Bild in 9:16


Zeichnung eines Kleidungsstückes mit floralem Muster

Das Resultat ist eine visualisierte Skizze, in der das Material realistisch auf die Form appliziert wurde. Die KI interpretiert den Fall des Stoffes korrekt, was dieses Ergebnis ideal für erste Moodboards oder Konzeptpräsentationen macht. Die ist aber nur ein optionaler Zwischenschritt.


Phase 2: Vom Entwurf zur fotorealistischen Darstellung

Während die texturierte Skizze für interne Zwecke oft ausreicht, benötigen Kunden häufig eine konkretere Vorstellung des Endprodukts.

Das in Phase 1 generierte Bild dient nun als Basis für den nächsten Schritt. Hierzu "chatten" wir einfach weiter.

Prompt:
Erzeuge hieraus eine fotorealistische Bluse auf neutralem Hintergrund.


Das System führt hierbei ein Rendering durch. Die zeichnerischen Linien werden in stoffliche Qualitäten übersetzt, und Graustufen weichen einer realistischen Lichtsimulation. Das Ergebnis ist eine saubere Produktabbildung der Bluse, generiert ohne den Einsatz komplexer 3D-Software oder langer Rechenzeiten.


Bild einer Bluse mit floralem Muster
Phase 3: Virtuelle Anprobe und Modell-Integration

Für die Modebranche ist die Kontextualisierung des Kleidungsstücks an einer Person essenziell, um Emotionalität und Passform zu transportieren.

Hierbei bestehen zwei Optionen:

  1. Verwendung eines lizenzierten Bestandsfotos eines Models.

  2. Generierung eines synthetischen Models, das spezifischen Zielgruppenanforderungen (Demografie, Erscheinungsbild) entspricht.

Durch die Kombination des gewählten Models und der in Phase 2 erstellten Blusenabbildung erfolgt die virtuelle Anprobe.

Das Bild des Models, wird in den Chat kopiert. Sicherheitshalber auch das Bild des Kleidungsstückes, da es manchmal - ohne diesen Schritt, zu Fehlinterpretationen kommt.


KI generiertes Bild eines Fotomodels(KI generiertes Fotomodel)

Prompt:
Ziehe der Person (Bild 1) die Bluse (Bild 2) an. Die Person präsentiert die Bluse in einer werbewirksamen Pose. Bild 9:16

Ein Fotomodel mit bunter Bluse

An diesem Punkt stoßen konventionelle Bildbearbeitungsmethoden oft an ihre Grenzen. Nano Banana legt das Kleidungsstück nicht lediglich über das Bild, sondern passt es perspektivisch und physikalisch korrekt an den Körper an. Dieses "Draping" ist für erste Entwürfe von unschätzbarem Wert.

Jetzt machen wir es noch wilder:


Phase 4: Komplettierung des Looks – Styling und Komposition

Um ein vollständiges visuelles Konzept zu erstellen, wird das Outfit nun komplettiert. Ein isoliertes Kleidungsstück wirkt oft unfertig; ein vollständiges Styling hingegen verkauft den "Look".

Weitere Bild-Assets werden in den Prozess integriert:

  • Eine weite Marlene-Hose.

  • Weiße Sneaker.

  • Ein Anglerhut.

  • Eine farbige Brille.

Eine Auswahl an Kleidungsstücken

Prompt:
Ziehe der Person auch diese Kleidungsstücke an. Bild 9:16


Ein Fotomodel mit bunter Kleidung

Das Resultat: Das System generiert eine Darstellung des komplett gestylten Models. Dabei werden nicht nur die Objekte platziert, sondern auch Lichtverhältnisse und Schattenwurf über alle Ebenen hinweg harmonisiert (Advanced Compositing). Der Weg von der initialen Idee bis zum kampagnentauglichen Visual lässt sich so in weniger als zehn Minuten beschreiten.


Fazit: Effizienzsteigerung im Rapid Prototyping

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Diese Technologie ersetzt zum jetzigen Zeitpunkt weder das professionelle Fotoshooting noch die technische Schnittkonstruktion. Ihr Wert liegt vielmehr in der Pitch-Phase und der schnellen Validierung von Ideen. Sie ermöglicht es, Kombinationsmöglichkeiten zu testen und Konzepte visuell zu kommunizieren, ohne physische Muster vorliegen zu haben.

Nano Banana erweist sich somit als leistungsstarkes Werkzeug für das Rapid Prototyping, welches die Effizienz in kreativen Entscheidungsprozessen maßgeblich steigern kann.


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